Politik & Sprache

Die Nationalratswahl in Österreich und das damit verbundene  – immer lauter werdende – Wahlkampfgetöse ist gerade erst eine Woche her. Grund genug meinen ersten Blogbeitrag der Funktion der Sprache als Werkzeug der Politik zu widmen.

„Nächstenliebe“ – Wohl kaum ein Wort hatte diesen Wahlkampf so geprägt wie der von der FPÖ plakatierte, der Bibel entnommene Begriff. Nicht nur das dieses Wort so gar nicht mit den dem hetzerischen Ton der FPÖ aus vergangenen Wahlkämpfen zusammenpasst. Nächstenliebe ist keine politischer Begriff, was zeigt das es oft weniger um den unmittelbaren Wortsinn an sich geht als um die damit verknüpften Attribute. Fürsorge – Altruismus – Gemeinsinn. Zugegeben kreativer als wenn man einfach nur „Sozial“(Team Stronach) oder „Arbeit“(SPÖ) auf die eigenen Plakate schreibt, nicht wahr? Es geht also vor allem darum das Unterbewusstsein der Wähler anzusprechen.

Besonders interessant wird es dann wenn die Wortkreationen der Spindoktoren der politischen Kontrahenten zwar ein und dieselbe Idee/Sache/Umstand bezeichnen aber semantisch absolut gegensätzlich sind. So hat die SPÖ in diesem Wahlkampf von „Vermögenssteuer“ oder noch plüschiger von „vermögensbezogenen Abgaben“ gesprochen während die ÖVP in den Diskussionen ausschließlich den Begriff „Eigentumssteuern“ verwendet hat. Beide Begriffe beschreiben ein und diesselbe politische Maßnahme, die transportierte Botschaft hingegen könnte gegensätzlicher nicht sein.

Aber auch der Ersatz von Begriffen durch einen anderen ist in der Politik nicht unüblich. So versuchte die CDU/CSU den Begriff „Vorratsdatenspeicherung“ der zunehmend einen negativen Beigeschmack bekam durch „Mindestspeicherfrist“  zu ersetzen. Dies funktionierte allerdings nicht da der Spiegel umgehend titelte: „CDU schafft Vorratsdatenspeicherung ab“. Die Union musste  zurückrudern und das Vorhaben war entlarvt…

Sprachliche Manipulation nimmt eine steigende Bedeutung in der zunehmend von der Medienöffentlichkeit bestimmten Politik ein. Daher sollte man aufhorchen wenn man wiedereinmal Dinge wie „Alternativlos“, „Achse des Bösen“ oder „Restrisiko“ hört oder liest.

Wer sich näher für das Thema interessiert findet unter http://neusprech.org/ ein wahres Füllhorn zum Thema. Zudem kann ich folgendes Buch empfehlen: „Auf leisen Sohlen ins Gehirn – Lakoff/Wehling“ http://www.amazon.de/Auf-leisen-Sohlen-ins-Gehirn/dp/3896706950/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1381102116&sr=8-1&keywords=auf+leisen+sohlen+ins+gehirn

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